Rheinsberger Seen – Am Großen Zechliner See soll am 14.12.20 ein Millionenprojekt durchgewunken werden. Die Bevölkerung ist sehr besorgt. Was ist eigentlich sanfter Tourismus?

09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram

Sucht hier ein Großinvestor das Ufer nach Rendite ab? (Symbolbild) – Am Großen Zechliner See beabsichtigt der Investor BDRE Asset Management GmbH (Berlin) ein sportiv ambitioniertes Großprojekt mitten in eine saumselige, unberührte Naturlandschaft einzupflanzen. Dessen Größe passt nur nicht zur Gegend. Direkt am Ufer des kleinen Dorfes Repente sollen künftig bis zu 400 Feriengäste mit Motorbooten auf Anhängern, Wassersportgerät und in ähnlicher Art und Weise rankarren und nächtigen, wie man es aus geschlossenen Urlaubsclubs á la Robinson kennt. Der Investor bewirbt bei den Stadtverordneten das Projekt als sanften Tourismus. 150 Parkplätze sollen auch entstehen. Das Großbauprojekt fügt sich nach Auffassung von Kritikern in die Umgebung nicht ein, sondern wird künftig der Platzhirsch sein. Wir drucken die Gegenvorstellung eines Kritikers ab. Es ist ein Verriss.

Bezeichnung: 13. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung
Gremium: Stadtverordnetenversammlung Rheinsberg
Datum: Mo, 14.12.2020 -Zeit: 18:15 Uhr
Raum: Schulzentrum Bildungscampus-Rheinsberg, Multifunktionsraum 16831 Rheinsberg, Schloßstraße 38/40

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In acht Punkten wurden in der Beschlussvorlage stichwortartig Vorteile eines Aufstellungsbeschlusses aufgelistet. In ebenfalls acht Punkten wird nachfolgend erwidert. Diese sind nicht aufgelistete Nachteile eines solchen Vorhabens. Rheinsberg hat die Anfertigung der Beschlussvorlage einem Investor überlassen und nicht selbst Hand angelegt. Die vorgelegte Erwiderung ist in zwei Teile aufgeteilt.

Erstens eine Kurzfassung, in der acht Punkte der Vorlage aufgegriffen und in kurzer Form beantwortet werden. Zweitens eine ausführliche Darlegung der zur Verfügung stehenden Gegenargumente. Die Übersichtlich- und Lesefreundlichkeit ist damit sichergestellt.

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09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram

Bild: Baden im Groß Zechliner See in der Badebucht Repente

Der Antrag zum Aufstellungsbeschluss BV-0184/20 #Beschlussvorlage zum Bebauungsplan Luhme Nr. 1 „Freizeit- und Erholungsanlage Repente“ umfasst acht Punkte als Tatsachenbehauptungen.

Fundstellen: Zur Tagesordnung + Sitzungsbekanntmachung: Hier (Rheinsberg)

  1. Reaktivierung des Geländes im Hinblick auf den bestehenden Gesamtversiegelungsgrad von 26.060 m², der nach wie vor nicht überschritten werden soll
  2. Freihaltung ökologisch sensibler Bereiche und besonders geschützter Biotope, indem bestehende Baustandorte in weniger sensible Bereiche verlagert werden.
  3. Schonender und sparsamer Umgang mit Grund und Boden, was aufgrund der bestehenden versiegelten und bebauten Flächen sowie des vollständigen Vorhandenseins von Ver- und Entsorgungseinrichtungen in höchstem Maße möglich ist.
  4. Abstimmung der Anlagen und Einrichtungen auf ein Angebot, das ausdrücklich auf „sanften Tourismus“ ausgerichtet ist. Damit sollen Störungen von Arten und Lebensgemeinschaften auf ein verträgliches Maß reduziert werden.
  5. Einbeziehung der bereits in Repente vorhandenen Freizeit- und Tourismus-Einrichtungen zur Nutzung von Synergieeffekten, so dass eine Wertschöpfung auch für bestehende Anbieter möglich wird.
  6. Ausrichtung des Angebots auf spezifische Benutzergruppen, um eine Diversifizierung zu erzielen (Barrierefreies Bungalow-Areal, Waldhütten-Bereich etc.) und damit das bestehende Angebot der Stadt Rheinsberg zu ergänzen.
  7. Einbeziehung eines kleinen Bereichs zur Weiterentwicklung der lokalen Wohnnutzung für den Eigenbedarf aus der Ortschaft.
  8. Schaffung von frei der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen (Badestelle, Slipanlage, Uferweg etc.).

Zu den Tatsachenbehauptungen ist in selber Nummerierung einzuwenden:

1. Reaktivierung des Geländes im Hinblick auf den bestehenden Gesamtversiegelungsgrad von 26.060 m², der nach wie vor nicht überschritten werden soll

Der Versiegelungsgrad des Grundstücks ist nicht positiv zu bewerten. Landschaftsversiegelung sollte nicht bewahrt werden. Versiegelung gilt heute unbestritten als negatives Umweltverträglichkeitskriterium. Es wäre großzügige Entsiegelung zu favorisieren. Dies um so mehr, als es sich beim Großen Zechliner See um ein Naturschutzgebiet handelt. Zur Ausweisung des als Naturpark Ruppiner Wald- und Seengebiet ganz unten, verlinkt auf Brandenburg.de. Die Reaktivierung des Geländes kann nicht erreicht werden. Der frühere Tourismusbetrieb volkseigener Betriebe ist entfallen, das Routing von anreisenden Touristen (zu DDR-Zeiten Bus und Bahn, organisierte Freizeiten) ist weggefallen. Es sollen künftig Individualtouristen mit umfassender Freizeit-Bestausstattung (überwiegend Kunststoffe, ergänzt um Verbrennungsmotoren) an den See heranreisen. Es handelt sich bei der Zielgruppe des Projekts um Besserverdienende mit umfassendem Sozial- und Besitzstatus. Man hat ein Boot, das man mitbringt, ein Haus, eine Ferienwohnung, zwei Kinder und 3 Standup-Paddel (Beispiele). Diese Zielgruppe bezeichnet man nicht als sanfte Touristen. Es handelt sich um ganz gewöhnlichen Massentourismus, dem ein als Muster gezeichneter, beschriebener Durchschnittsmensch aus einem Ballungsgebiet als Vorstellung zugrunde liegt.

2. Freihaltung ökologisch sensibler Bereiche und besonders geschützter Biotope, indem bestehende Baustandorte in weniger sensible Bereiche verlagert werden.

Ökologisch sensible Bereiche und besonders geschützte Biotope sind vom Baugeschehen nicht abzusondern in einem Landschaftsschutz- bzw. Naturschutzgebiet. Das geht nicht. Vielmehr sind solche Bereiche zusammenhängend zu sehen. Die Gesamteinbeziehung des Großen Zechliner Sees und seiner vielfältigen, anderweitig vorhandenen Freizeitangebote ist unterblieben. Weitere Groß-Angebote in der projektierten Art und Weise werden nicht benötigt. Sanfter Tourismus entspringt nicht einer Vorstellung vom ungebremsten Wirtschaftswachstum mit immer neuen, zahlreicheren Natur-Events. Schon zwei große, sehr ähnliche Anlagen sind kaufmännisch/ wirtschaftlich an ihre Grenzen gestoßen. Mehrfach Gesellschafterwechsel, Insolvenzen, Umfirmierungen: Fast ging ihnen die Luft aus. Beide sind wirklich nicht großartig betrieben. Hier wird nun versucht, zusätzlich ein weiteres Großprojekt hinzuzufügen. Dies ist bei unbestechlicher Gesamtbetrachtung der Umgebung aus Sicht vernünftig nachdenkender Stadtväter und -mütter Rheinsbergs falsch. Bei Realisierung von immer mehr Verdichtungen der  Landschaft werden Tierarten wie bspw. Wildgänse, Kraniche, Reiher, Raubvogelarten, Wild ignoriert. Und das direkt im Naturschutzgebiet (Im Einzugsbereich des Naturschutzes Großer Zechliner See, Wummsee, direkt dazwischen).  Die Aufzählung bedrohter Tierarten ist unvollständig. Die Tierwelt wird mit dem Massiveingriff aus der hiesigen Natur weiter abgedrängt in letzte Rückzugsgebiete anderswo. Dabei machen gerade sie den besonderen Charme und die Besonderheit der beschriebenen Gegend aus. Man schlägt hier einen Keil in die natürlichen Habitate. Tatsächlich besteht keine Not des Tourismus, es gibt viele Alternativen. Andere bereits betriebene Orte besitzen viel Optimierungspotenzial und können bei richtiger, verständiger Raumplanung Investitionen gut gebrauchen. Dies käme regional der Bauwirtschaft zugute.

3. Schonender und sparsamer Umgang mit Grund und Boden, was aufgrund der bestehenden versiegelten und bebauten Flächen sowie des vollständigen Vorhandenseins von Ver- und Entsorgungseinrichtungen in höchstem Maße möglich ist.

Es gibt keinen schonenden Umgang mit Grund und Boden, da es an einer Folgeabschätzung für das Dorf- und Gemeindeleben von drei Dörfern fehlt. Der so genannte Umwelt-Fingerabdruck aller Folgen dieses Vorhabens ist vernichtend. Zum Umfang der zu beurteilenden Maßnahmen gehört die Luft. Es fehlen jegliche Überlegungen zu Luhme und Heimland. Genannt wird Repente und die Baulichkeit selbst, die schöngeredet wird, als könnte hier niemand zusammenhängend denken. Massive Veränderungen der Verkehrsinfrastruktur, der Zubringer und Wegfahrmöglichkeiten und das Entstehen ganz neuer, massiver Besucherströme mit einem hochfrequenten Individualverkehr sind überhaupt nicht angesprochen. Wie respektlos die Idee mit der Situation vor Ort umgeht, wird deutlich, wenn man versteht, sich die Zuwegung zum künftigen Hot Spot durch Straßenbau untertan zu machen. Bereits der Entwurf zum Aufstellungsbeschluss (der Stadt Rheinsberg) muss Folgeabschätzungen zutreffend erfassen, die für und gegen ein solches Projekt bestehen. Die Stadt Rheinsberg darf die Initiatorenschaft für einen umfassenden, massiv wirkenden Bauleitplan wie diesen nicht einem xbeliebigen, gerade zur Verfügung stehenden Investor überlassen. Die Stadt Rheinsberg ist nicht zur Abnahme und Förderung irgendeiner drittbesten Idee verpflichtet. Umgekehrt: Das Projekt hat sich einzufügen. Das Outsourcen von verantwortlichem Verwaltungshandeln an die Privatwirtschaft verbietet sich so wie ein oberflächliches Denken. Weil es die Stadt nichts kostet, wird gesagt. Die Folgekosten werden immens sein und sie werden sozialisiert (weiter unten). Um zu richtigen Ergebnissen zu kommen, muss sich die Stadt selbst anstrengen und eigene Ideen entwickeln. Daran fehlt es. Leider kann auch der Bürgermeister Fragen wie diese nicht ansatzweise beantworten.

4. Abstimmung der Anlagen und Einrichtungen auf ein Angebot, das ausdrücklich auf „sanften Tourismus“ ausgerichtet ist. Damit sollen Störungen von Arten und Lebensgemeinschaften auf ein verträgliches Maß reduziert werden.

Das Maß der Störungen für Arten und Lebensgemeinschaften liegt auf der Hand und kann nicht auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Alle Folgewirkungen aus dem Entwurf fehlen so wie die voraussehbaren Folgekosten für Anrainer und Bewohner. Die Untersuchungen beziehen sich allein auf den Standort Repente. Jeder Bezug zu Raumordnung, Verkehr, Infrastruktur, Natur, Arbeitsplätze fehlt. Deswegen ist dem geschönten Entwurf bereits der Duktus einer Unvollständigkeit anzuheften. Das Vertrauen ist dem gegenwärtigen Planungsentwurf zu entziehen. Es verkauft Anwohner für dumm und umspült Negativargumente gekonnt durch Weglassen. Die Folgen sind später nicht mehr korrigierbar, irreversibel. Wie üblich wird das Gesamtprojekt realisiert, um eine anonyme Betreibergesellschaft zu initiieren.  Das ist aus Branchenkenntnis so und weil es der Initiator im Gespräch nicht in Abrede stellt. Ein häufiges Prinzip, bei dem niemand für das haftbar bleibt, was er anrichtet.

09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
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Unberührte Natur, Schmetterlinge, blauer Himmel: Im Lockdown von Corona hat sich die Natur sichtlich erholt. Noch ist Corona nicht vorbei. Die Angriffe auf Gegend und Leute starten bereits wieder. Nach Corona macht man sich die Ufer zu eigen durch planungsrechtliche Beschlagnahme. An den Ufern der Nacht zieht der Tag an uns vorbei. (Puhdys)

5. Einbeziehung der bereits in Repente vorhandenen Freizeit- und Tourismus-Einrichtungen zur Nutzung von Synergieeffekten, so dass eine Wertschöpfung auch für bestehende Anbieter möglich wird.

Die Maßnahme drückt einer ganzen Gegend den Betreiberstempel eines Großinvestors auf, der sich die ganze Gegend zum Untertanen macht, weil er sie zu extensiv mitbenutzt. Es gibt keine Synergien, das ist Schönreden. Es wird sich die Benutzung der ganzen Gegend komplett verändern. Friedliche Touristen werden wegbleiben. Synergien sind weder bei Gastronomen (die es nicht gibt), noch beim Beschäftigungspotential (Reiterhof, Repente, welche noch?), den Ferienwohnungen (deren Buchungen zurückgehen), noch bei den Beschäftigten (im Ort nicht rekrutierbar). Eine Wertschöpfung für bestehende Anbieter erwächst aus dem Projekt nicht. Im Gegenteil: Das Projekt benutzt die Umgebung für seine insulare, alleinige Vormachtstellung. Sie ist demzufolge der Platzhirsch. Unter Punkt 3. ist die Rede vom vollständigen Vorhandensein von Ver- und Entsorgungseinrichtungen in höchstem Maße. Dieses müssen wir ernst nehmen. Hier ist an ein demütiges, respektierliches Einfügen in Dorfkerne und empfindliche soziale Gemeinschaften nicht angedacht. Mit Speck fängt man Mäuse und nennt sie Synergien. Die Menschen am Ort wünschen gar keine vollständigen Ver- und Entsorgungssysteme. Wenn überhaupt stände der Umgebung ein Anschluss an das Erdgasnetz sehr gut zu Gesicht.

6. Ausrichtung des Angebotes auf spezifische Benutzergruppen, um eine Diversifizierung zu erzielen (Barrierefreies Bungalow-Areal, Waldhütten-Bereich etc.) und damit das bestehende Angebot der Stadt Rheinsberg zu ergänzen.

Die spezifischen Benutzergruppen werden in dem Konzept nicht genannt und sollen das Angebot der Stadt Rheinsberg ergänzen? Ist überhaupt daran gedacht worden, dass das (touristische) Angebot der Stadt Rheinsberg nicht überall fortgesetzt werden kann? Muss jedes Dorf sein Angebot barrierefreier Bungalow-Areale ergänzen? – Barrierefreie Nutzergruppen anzudeuten, ist kein attraktives Angebot, sondern bauaufsichtliche Selbstverständlichkeit. Die mehrfach erläuterte 3-Sterne-Hotel Familie als Zielgruppe (Investor, u.a. Bauausschuss Rheinsberg, Ortsbeiratssitzung) stellt nichts anderes als eine Irreführung dar. Es handelt sich um ortsfremde, touristische Massenströme, buchbar anonym online. Das Konzept ist beliebig, ortsansässig vorhanden und was Großprojekte betrifft, im Bestand bereits nicht gelungen. Zwei weitere Projekte (Marina Wolfsbruch, Hafendorf) decken den Bedarf der Umgebung nach Freizeitsportgästen und deren Auslastung belegt die Bedarfsdeckung. Wichtiger als Bedarfsdeckung im Vergleich zur Auslastungsquote ist die landschaftsschutzrechtliche Beurteilung der intensiv in Anspruch genommenen Umwelt durch Vorhandenes. Da Rheinsberg nicht plant, als Speckgürtel-Kandidat langfristig nach Berlin eingemeindet zu werden, ist dem Erhalt regional typischer, saumseliger Versprengtheit (Stichwort: Diversität) und dem Naturschutz höchste Priorität und besonderer Schutz einzuräumen. Im Unterschied zu dem gedanken- und konzeptionslos wirkenden größeren, weiteren Verdichten und Betonieren von schützenswürdiger Umwelt, sowie dem Verhindern von neuen, ungelenken Verkehrsströmen, massiver Besiedelung und empfindlicher Eingriffe in die Natur.

Dem Entwurf aus der Urheberschaft des Investors haftet fehlende, geistige Führung durch die Stadt Rheinsberg an. Im Unterschied zu dem hier vorgestellten Ideenentwurf muss Rheinsberg Verdichtungen an dafür richtigen Stellen prüfen und bei Bedarf zügig genehmigen, die sozialverträglich, städtebaulich richtig und landesordnungspolitisch überzeugend sind. Dazu gehört das Schließen von Baulücken, das Aktivieren oder Überführen von Altprojekten (Stichwort: Hotel Flecken Zechlin) in eine zeitgemäße, akzeptable, nicht störende –friedliche- Nutzung, die Mensch und Umwelt begeistert und inhaltlich mitnimmt.

7. Einbeziehung eines kleinen Bereiches zur Weiterentwicklung der lokalen Wohnnutzung für den Eigenbedarf aus der Ortschaft.

Es gibt in Repente keinen Bedarf für eine Weiterentwicklung des Wohnbedarfs der Bevölkerung. Eine Wohnbebauung am Rande eines Mammutkomplex ist keine gute Idee, in einem Kleinstdorf wie Repente. In diesem Zusammenhang ist auf die Realisierung und den Erfahrungsschatz im Bereich der Grundstücke um das Hotel Gutenmorgen in Dorf Zechlin hinzuweisen und festzuhalten, dass der Vertrieb der Einfamilienhäuser als Ersatz für unpassende, dort ebenfalls gescheiterte Großvorhaben alles andere als flüssig erfolgte. Der Verkauf war äußerst zähflüssig. Das gesunde Wachstum eines so fragilen Dorfs wie Repente (besser: Repente, Heimland, Luhme) wird von einer weiteren Wohnbebauung ohne Einbeziehung des Ortsbeirats nicht funktionieren.

8. Schaffung von frei der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen (Badestelle, Slipanlage, Uferweg etc.).

Die Hervorhebung dieser brandenburgischen Selbstverständlichkeiten kann nicht über das Gesamtvorhaben hinwegtäuschen, zwischen zwei Naturschutzgebieten einen merkantilen Investorenstempel draufzudrücken. Eine gut rechenbare Großfreizeit- und Wohnanlage mit mindestens 400 touristischen Gästen pro Bettenwechselwoche, einer unklaren Zahl von nicht ortsansässigem Mitarbeiterpersonal (polnische Hilfskräfte, da örtlich nicht rekrutierbar, untergebracht überwiegend in Zechlinerhütte, nur zum Beispiel) und all die genannten „Pendler“ (Besucher wie Mitarbeiter) auf die Straßen zwischen die Dörfer, und auf die Wiese mitten durch die Waldlandschaft. Mit Rädern unten dran.

Ende Kurzfassung

09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram

Großinvestor auf Suche im Uferschilf? (Sinnbild). Wird sich der Investor mit oder gegen die politische Führung in Rheinsberg durchsetzen? Wovon hängt die Zustimmung des Bürgermeisters ab? Mit welchen vernünftigen Argumenten fördert er die Sache eigentlich, ohne sich mit der Bevölkerung viel besser abzustimmen? Bewohner gucken genau, was jetzt passiert.

Ergänzende Überlegungen

„Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt.“ (Heinrich Zille, Milieukenner, deutscher Grafiker, Maler und Fotograf – * 10.01.1858, † 09.08.1929)

[A] 1993 und 2020, Vorbeurteilung: Bereits am 13. Dezember 1993 wurde ein Aufstellungsbeschluss gefasst. Mit dem jetzigen Aufstellungsbeschluss wird eine neue, größere, massive und für die Gegend in ihren Auswirkungen nicht untersuchte Art und Weise zu groß gemacht.

Dabei fehlen überregionale Bezugnahmen auf die vorhandenen, vergleichbaren Einrichtungen in der Umgebung, eine Übersicht über das Maß der vorhandenen Umgebungsnutzung sowie entscheidungserhebliche Grundlagen, sodass dem Entwurf ein großes Maß an Lückenhaftigkeit (durch Weglassung) unterfällt. Zur touristischen Bedarfsdeckung gibt es weitere, bereits mehrfach angesprochene Standorte.

Untersuchungen über den vorhandenen Belastungsstandard der Gegend fehlen. Das Vorhaben läuft, lokal angeschaut, sämtlichen planungs- und schutzrechtlichen Grundanliegen im Naturschutz zuwider und fügt sich nicht verträglich in die Gegend ein.

[B] #Dringlichkeit für Entscheidungen Für seit 1993 (27 Jahre) abweichende Nutzungsideen bestimmter Altlasten (Ferienlager der DDR) steht ein terminlich zwingendes, jetzt dringliches Nutzungsgebot nicht glaubhaft zur Debatte. Es besteht keine hohe Notwendigkeit bzw. Dringlichkeit, das ausgewiesene Gebiet durch private Wirtschaft optimieren zu lassen, nur weil diese gerade zufällig bereit dazu ist. Die privatwirtschaftlichen Motive widersprechen öffentlichen Belangen. Man versteht die Denkungsart. Diese wird hier ausdrücklich hinterfragt.

Öffentlich/Rheinsberg: „Da ist jetzt ein strammer Investor, der will investieren. Das Ding liegt seit 1993 (und länger) rum und ist ein Schandfleck für die ganze Gegend. Endlich jemand, der etwas tut. Wir werden ein großes Problem los. Das Beste: Es kostet uns gar nichts. Das zahlt alles der Investor.“ – Der Bürgermeister spricht schon von einer geistig moralischen Wende.

09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
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Der Großinvestor durchkämmt seine Claims, auf der Suche nach prosperierenden Weidegründen für beste Anlegerrendite. „Wir investieren zwischen 100.000,- und 100.000.000,- €“ heißt es in der properen Selbstdarstellung (Sinnbild) – Im Jahre 2020 besitzen wir eine Vorbildung. Menschen müssen nur lange genug warten, um voneinander zu lernen. Lernen bildet: Handelt es sich bei Großinvestoren um Muggel wie bei Harry Potter? Sind sie doch liebenswert? Oder sind es Großinvestoren vom Schlage der Grauen Herren von der Zeitsparkasse im Roman Momo des Kinderbuchautors Michael Ende? Man weiß es nicht. Zumindest lassen uns Bilder dieser Sinn stiftenden Literatur nicht los. Wir können uns an sie erinnern. Das ist der Unterschied zwischen dem Head of Office und dem Head of Cinema – dem #Kopfkino

Dieses Vorhaben besitzt für die Öffentlichkeit keine Priorität und ist nicht förderungswürdig. Die Investitionsziele sind nicht schutzwürdig, es besteht kein übergeordnetes Interesse der Öffentlichkeit, dieses Projektziel zu realisieren.

Idee von mir: Die öffentliche Hand denkt einfach um. Das ist kein Schandfleck, den man loswerden muss. Es besteht ein öffentliches Interesse dafür, was hier passiert, aber was wir genehmigen, muss sich mit den öffentlichen Belangen insgesamt decken. Welche sind denn das?

Fazit: Eine hohe Dringlichkeit, jetzt Entscheidungen zu treffen, besteht derzeit nicht. Es muss darum gehen, dass die Stadt Rheinsberg Überlegungen entwickelt, um (endlich) zu beraten und künftige Modelle der Benutzung dieses Areals zu entwerfen, die sich vernünftig in die Dorflandschaft hinter Repente einfügt. Es ist kein Denkverbot, zu überlegen, ob kein Investorprojekt zur Durchführung gelangt. Möglicherweise besteht der Weisheit letzter Schluss darin, die komplette Loslösung von Privatinteressen zugunsten des Naturschutzes endlich zu beginnen?

[C] #Bewohnerbelange: Qualitätsverbesserung für die Bewohner findet nicht statt. Dieses lässt sich dem Vorhabenplan entnehmen, wenn man die Pläne weiterdenkt und ihre Auswirkungen mit Leben füllt. Was bedeuten beispielsweise 150 PKW-Parkplätze in einem Dorf wie Repente?
Durch Beschluss des Ortsbeirats von Luhme liegt ein insgesamtes NEIN vor. „Der Entscheidung eines Ortsbeirats treten Stadtverordnete grundsätzlich nicht entgegen.“ Dass dieses weiter so bleibt, wird als einzig richtige Vorgehensweise vorgeschlagen.

Diesem Grundsatz ordnen sich alle weiteren Gedanken unter.
Die Berliner BDRE Asset Management GmbH kann im Moment keine befriedigende Planung erarbeiten, zeigt sich. Denn ihr Projekt ordnet sich nicht in Demut der Gegend und uns Menschen unter, wie es erforderlich ist. Das Projekt versucht, der Gegend seinen bestimmenden Stempel aufzudrücken. Deswegen sagen über die Berliner heute noch viele, es handele sich um Buletten. 🙂 Geradezu dreist ist die Behauptung, durch „Einbeziehung der bereits in Repente vorhandenen Freizeit- und Tourismus-Einrichtungen zur Nutzung von Synergieeffekten, so dass eine Wertschöpfung auch für bestehende Anbieter möglich wird“ sowie „Einbeziehung eines kleinen Bereiches zur Weiterentwicklung der lokalen Wohnnutzung für den Eigenbedarf aus der Ortschaft“.

Wohlweislich unwahr. Kein Anknüpfungspunkt zur Nutzung von Synergieeffekten ist erkennbar. Übernachtet (Synergiemöglichkeit 1) wird anderswo (im Objekt selbst), der Reiterhof Repente (Synergie 2) hat keine weiteren Kapazitäten, beispielsweise zur Ausweitung des reiterischen Angebots, diesmal anders als bisher auf eine unspezifizierte, nicht planbare Gruppe von Bereitern gegen Bezahlung oder dergleichen. Im Gegenteil: Die Ausreitmöglichkeiten der ansässigen und regelmäßig zu reisenden, bekannten Reiterstammgäste werden stark verschlechtert und eingeschränkt, durch abgesperrte, abgezäunte Freizeithotel-Areale. Das übliche mit den Pferden baden gehen wird so gut wie verunmöglicht und eine propere Bootsslipanlage neuester Bauart wird weitere Behinderungen der Benutzbarkeit des Sees für die Allgemeinheit mit sich bringen. Wer etwas anderes plant, lügt. Am Parkplatz vorbei (150 Autos).

09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram

Wie stellt sich ein Großinvestor seine Renditentwicklung vor? (Sinnbild) Das fließend Wasser stellt nicht Umweltschutz, Selbstbeschränkung, Bescheidenheit, Zurückgezogenheit, Naturverbundenheit, Artenschutz, Respekt vor der Schöpfung u.v.a. dar. Das Sinnbild verdeutlicht uns blühende Renditen des erfolgreichen Großinvestors, der uns weismachen möchte, dass er einen sanften Tourismus wünscht und im Respekt mit Land und Leuten umgeht.

Die Konzeptvorteilsliste ist sprachlich ungenau, dass man sie nicht versteht. Einbeziehung eines kleinen Bereichs (welchen?) zur Weiterentwicklung der lokalen Wohnnutzung (Neubau?) „für den Eigenbedarf“ aus der Ortschaft? Sic. Was für ein Unsinn. Nichts davon gibt es tatsächlich.

Es handelt sich um Initiatorensprech, um den Anschein guter Gemeindeverträglichkeit zu erwecken. Man kann keinen der insgesamt acht Unterpunkte als zutreffende Beschreibung des Orts begreifen. Schon, dass der Projektentwickler immer von Repente spricht, wozu in Wirklichkeit drei Gemeindeteile gehören, lässt erkennen, dass es dem Investor an einer gebietsorientierenden Sichtweise mangelt. Räumliches Denken.

Die Sichtweise auf den Tourismus hat sich in den Dörfern und Kommunen in Brandenburg in den letzten 30 Jahren massiv verändert. Zur touristischen Bedarfsdeckung ist alles Wesentliche getan worden. Alle Claims sind abgesteckt, die Weideländer abgegrast. Was jetzt übrig ist, nennt man häufig intakte Natur. Abgesehen von Altlasten, wie bspw. dem hier in Rede stehenden Versiegelungsgrund. Dabei müsste Rheinsberg, Neuruppin, eventuell sogar Groß-Glienicke (das Ministerium) initiativ sein, um die 1993iger Brache endlich abzustellen und sie angesichts zu renaturisieren. Das Denkmodell, es werde nicht mehr versiegelt, muss heißen: Es muss weniger versiegelt werden.

Probleme wie die Klimaveränderung, zu extensive Nutzung von Natur und Forsten, dramatisch absinkende Pegelstände der Gewässer in den letzten Jahren und ein Umdenken im großen Stil, was die Art und Weise betrifft, wie man behutsamen, nicht aggressiven Tourismus definiert, waren 1993 nicht bekannt. Jedenfalls spielten sie noch keine große Rolle. Aufgrund der Wendejahre hatte man andere Probleme. Es ging um das massive Problem großer Ferienanlagen-Siedlungen in der Umgebung und wie man diese einbinden und zukunftsträchtig weiter betreiben kann. In dem vorliegenden Fall scheiterten solche Pläne langjährig, Jahrzehnte lang.

Inzwischen haben alle dazu gelernt. Wer über das Bundesland hinausschaut, vergleicht beispielsweise die bekannten Siebziger-Jahre-Bausünden an den westdeutschen Ostsee-Ferienstränden (Bsp. Marina Wendtorf, Kiel, Laboe) mit eher naturbelassenen, ehemaligen DDR-Ostseestränden (Bsp. Prerow). Hier wusste man, dass man die Fehler der Vergangenheit (im Westen) in der Gegenwart (im Osten) nicht wiederholen darf. Ähnlich stellt sich die Beurteilungslage vor Ort dar. Der ganze Entwurf ist eher so Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

[D] #ÖkologischeSensibelchen Um der optimierten Sprache (Investorendeutsch) zu entgegnen, bedarf es einiger Ausführungen im Detail:

Es ist ein Denkfehler anzunehmen, man würde ökologisch sensible Bereiche und besonders geschützte Biotope freihalten, indem man Baustandorte in weniger sensible Bereiche verlagert. Das ist sprachlich und inhaltlich falsch. Das gesamte Areal und die Umgebung ist ein ökologisch sensibler Gesamtbereich, den besonders geschützte Biotope vollständig umgeben. Dieses ist nicht auftrennbar, es besteht eine innere Verbindung. Umwelt setzt sich immer zusammen aus Natur und menschlichem Dazutun wie Baukörpern, Versiegelungen, Energieverbrauch, Be- und Entsorgung von Immissionen und Emissionen. Falsch ist, dass Baustandorte allein Gefahren darstellen. Zu Baustandorten muss man körperlich hinkommen, dieses nennt man den (Zubringer-) Verkehr – Verkehr ist eine allgemein anerkannte Gefährdung besonders sensibler Bereiche und zum Teil lebensgefährlich. Richtig ist, dass das Zusammenwirken von Baustandorten und der massiv vergrößerte Anwesenheitsfaktor des Menschen in großer Zahl mit Autos, Freizeit- und Sportgeräten, Motorbooten, u.v.a. ökologisch sensible Bereiche massiv aufmischt. Die nachhaltige, dauerhafte und irreversible Beschädigung ist nicht wegzudiskutieren.

Schonender und sparsamer Umgang mit Grund und Boden? Das vollständige Vorhandensein von Ver- und Entsorgungseinrichtungen deutet auf eine insulare Exklusivlage in einer Art eines geschlossenen Clubs „der Reichen und Schönen“ hin, die hier alles haben, was sie benötigen. Sie müssen (sollen) das Feriengelände möglichst nicht mehr verlassen. Die Erklärung der Initiatoren, die Anlage sei ungefähr eine Art „3-Sterne“-Hotel mit Familiencharakter, widerspricht dem Robinsonclub-Charakter. Was wirklich? Gemeint ist, egal welche Art von Menschen anreisen, immer der zahlungskräftige Tourist mit Auto (Individualverkehr), Boot (Individualsportart mit Bootssteg, Anlegemöglichkeit, Yachtmarine) und Badesachen, der Natur konsumiert – alles fein „im Club“. – Was die Anrainerdörfer angeht: Sie haben nichts davon.

Die beschriebenen Anlagen und Einrichtungen sind kein „sanfter Tourismus“, sondern das Gegenteil. Plötzlich bricht sich ein Investor Relations seinen Weg durch die Grünschneisen Brandenburgs. Das kommt einem spanisch vor.

Google-Translate: "Repente" - zu deutsch: "Plötzlich" - die Aufwallung #deutsch #spanisch
Google-Translate: „Repente“ – zu deutsch: „Plötzlich“ – die Aufwallung #deutsch #spanisch

[E] #SanfterTourismus Begriffsklärung Sanfter Tourismus (auch: Nachhaltiger Tourismus) ist eine Form des Reisens, welche drei wesentliche Anliegen verfolgt:

1. so wenig wie möglich auf die bereiste Natur einzuwirken bzw. ihr zu schaden
2. die Natur möglichst nah, intensiv und ursprünglich zu erleben,
3. sich der Kultur des bereisten Landes möglichst anzupassen.

Sanfter Tourismus gehört zum Konzept einer starken Nachhaltigkeit, verbunden mit der Forderung, die verbleibenden Bestände an Naturkapital zu erhalten und darüber hinaus in diese zu investieren. Neben dem ökologischen Aspekt spielen der soziokulturelle und der wirtschaftliche Aspekt hier eine wichtige Rolle: Laut der Welttourismusorganisation (UNWTO) ist Tourismus nachhaltig, wenn seine gegenwärtigen und zukünftigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen vollumfänglich berücksichtigt und die Bedürfnisse der Besucher, der Industrie, der Umwelt und der Einheimischen integriert werden.

Es ist das Gegenteil von friedfertigem Tourismus „Tourisme Rural“ (zu deutsch: Agrartourismus, ländlicher Tourismus), wie man ihn in ganz Europa kennt, wo sich der Anreisende die Erkundung einer Umgebung in Eigeninitiative erschließt und auf den Kontakt zur ansässigen Wohnbevölkerung angewiesen ist. Diese setzt die Maßstäbe für gebührliches Verhalten, nicht jedoch ein Clubbetreiber. Ähnlich virulent negativ verhalten sich heute rücksichtslose Wohnmobil-Besucher am Kapellen- und Wummsee, wozu weitere Ausführungen nicht gebraucht werden. Sie bringen ihren ganzen Ferienclub einfach mit – mit Rädern untendran. Sie sind gekommen, um zu fliehen. Sie fahren wieder weg.

Praktizierter Tourismus im Ortsverbund Repente – Heimland – Luhme

Der Bebauungsplanentwurf übersieht u.E., dass mindestens drei größere hotelartige Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen bereits erfolgreich betrieben werden. Zwei haben jeweils ca. 90 buchbare Ferienbetten, eine weitere Einrichtung ca. 30 Übernachtungsmöglichkeiten. Schon jetzt sind in Saisonzeiten 210 Gäste üblich. Hinzu kommen rund 50 bis 75 weitere Übernachtungsmöglichkeiten in den angesprochenen Dörfern. Für viele ist das Generieren von Übernachtungsgästen eine notwendige, zusätzliche Nebeneinnahmequelle. Diese wird zusammenbrechen.

[F] #Erschließung Ein Großbauvorhaben kauft sich mit dem Areal zusätzlich die Dorfbevölkerungen dreier Gemeindeteile gleich mit, die im Windschatten dieses Vorhabens mit massiven, existenzbedrohenden Folgekosten belastet werden. Diese übernimmt nicht der Großinvestor, weil die Grundstückeigentümer diese Kosten allein tragen müssen: Der Zweckverband hat auf Befragen des Ortsvorstehers Willmut Krieger bestätigt, sämtliche Anrainer „bei dieser Gelegenheit“ mit anzuschließen, beispielsweise an Be- und Entwässerung. Dieses ist die Vergesellschaftung von Projektierungskosten eines Großinvestors.

Örtliche Tiefbrunnen zur Eigenversorgung und biologischer Pflanzenklärbeete sind hoch bewährt, umwelttechnisch unbedenklich und ökologisch wünschenswert. In sie wurde von allen Beteiligten stets rechtzeitig umfassend investiert. Die Folge von Zwangsanschließungen sind massive finanzielle Auswirkungen für viele ältere Haushalte mit schmalen Renteneinkommen.

Diese privaten Haushalte haben keinen Investitionsbedarf in eine für nicht wünschenswert gehaltene Anschließung an öffentliche Leitungsnetze. Die Selbstver- und Entsorgung der Gegend ist ein Jahrhundert alter, funktionierender Grundgedanke von Selbstversorgung (Heimland, Geschichte). Es ist eine Verwirrung, nur das Vorhaben zu betrachten („Tunnelblick“) und in diesem Zusammenhang von „sanftem Tourismus“ zu sprechen. Den „Sanften Tourismus“, der sich in die Gegend positiv einfügt, gibt es tatsächlich seit vielen Jahren. Es wird so sein: Die als sanfte Touristen geltenden Personenkreise werden die Gegend nicht aufsuchen wie bisher, sie werden abwandern und neue, andere Gegenden erschließen. Im Ort wird alles „wie gelackt“ sein. Nette junge 2-Kind-Familien mit neuen, geleasten PKWs werden aus der Stadt einströmen, zu schnell fahren, bis genau hinter den Grundstückszaun der lagerartigen Ferienanlage und „vollständige Ver- und Entsorgungseinrichtungen genießen“ und an einer Hotelrezeption bezahlen. Synergien?

Die Gegend wird massiv gestört, sie wird vollständig umgekrempelt, in ihrer grundlegenden Benutzung und Benutzbarkeit abgeändert und in ihr Gegenteil verkehrt. Es entsteht ein industrieller Massentourismus mit einem

„Tourisme-Rural“-Grünanstrich.
• Verkehr (Straßeninvestitionen)
• Erschließung (Grundstücke einer Vielzahl von Anwohnern) gegen ihren Willen
• Tourismus (waldrandnahe, ständige Anwesenheit von geschätzt bis zu 500 Personen (400-450 plus Personal) mit dazu gehörigen Autos, auf 150 oder mehr Parkplätzen) – Alles voll? Na, dann parkt man eben auf der Dorfstraße oder links im Waldgebüsch. Bzw. vor dem Reiterhof.

Sanfter Tourismus? zu [E]

Die Investoren verschweigen alle fachlichen Regeln von Stadt- und Regionalplanung im Investorengebiet Repente. Dass es die Gemeinde Rheinsberg als Vorteil darstellt, sie haben mit der Durchführung der Bauleitplanung keinerlei Kosten, diese trage der Unternehmer, ist dafür der Grund. Eine funktionierende Bauleitplanung darf sich Handlungsgrundlagen  nicht von privatwirtschaftlichen Interessensträgern wegnehmen lassen. Bauleitplanung ist eine hochherrschaftliche Aufgabe. (Wer hat es nicht gehört, wie sie nach der Wende Gemeinden und Kommunen über den Tisch gezogen haben, diese geschickten Herren?)

Dabei ist die Beurteilung solcher Vorhaben nicht rechtskonform zu privatisieren, wenn nicht sichergestellt ist, dass die Bauleitplanung nach Beurteilungs- und Wesentlichkeitskriterien der Kommune erfolgt. Diese sind nicht formuliert, sondern werden mit der Beschlussvorlage auf den Investor abgeschoben. So geht es gar nicht. „Die Arten und die Lebensgemeinschaften“ begrüßen diese Rücksichtslosigkeit der Großinvestoren aus Berlin nicht und bedanken sich nicht herzlich für die dargetane sprachliche Umweltverschmutzung.

Die „Nachnutzung und Revitalisierung der Kur- und Erholungsbucht Repente“ ist eine irreführende Bezeichnung. Sie findet bereits jetzt in der Realität statt und wird von den Bewohnern der drei Dörfer und den nicht aggressiven, anreisenden und regelmäßig Urlaub machenden, sanften Touristen gern angenommen.

Fest steht zur Zeit, dass die „Bucht Repente“ sich ohne Investoren-Zutun in die Umgebung ihres Gewässers hervorragend einfügt. Unabhängig davon stellt es ein Versäumnis der Stadt Rheinsberg dar, nicht längst – nach 1993 – proaktiv eigene Überlegungen angestellt zu haben.

Im Freizeitbereich „Wassernahe Nutzungen“ ist die unmittelbare Umgebung wassersport- und freizeittechnisch stark frequentiert, häufig mit ortsunkundigen, zugereisten, beschwippsten Touristen (Stichworte: führerscheinfreie Großbootvermietungen, Marina Wolfsbruch, Hafendorf Rheinsberg). Die Freuwillige Feierwehr von Luhme (Schreibfehler absichtlich) kann zu den großen Parties im Hafendorf Rheinsberg und in Marina Wolfsbruch befragt werden. Sie rückt häufig aus, um katastrophale, gemeldete Brände (Fehlalarme) zu löschen. Ironie: Der Vorteil der Feiernden in Repente ist sicher die viel größere Nähe der freiwilligen Feuerwehr Luhme. Der Große Zechliner See ist bereits stark ausgelastet und hat eine intensive Benutzungsfrequenz. Das große Halligalli auf dem See wird nach den Plänen mit einem 250 Meter langen Bootssteg (!) als größte Slipanlage betrieben, mindestens weitere 100 Schiffe auf die Wasseroberfläche und in den Verkehr bringend. Der See ist bereits jetzt sommersüber überfrequentiert. Lokalen Bootsvermietern (bspw. in Flecken Zechlin) erweist ein solches Bootsanhänger-Fahrzeugtum im Übrigen ein ausbleibendes Vermietungsgeschäft. Warum wird nicht bereits über ein Motorboot-Fahrverbot nachgedacht?

Aus einer richtigen, vollständigen und übergeordneten landesplanerischen Sicht ist die Anflanschung von neuen Aufenthaltsschwerpunkten in Ufernähe an weiteren Treffpunkten (Hot Spots) am Großen Zechliner See nicht wünschenswert und bedroht eine Vielzahl von Tierarten. Der massive Aufenthalt des Menschen beeinträchtigt und stört die Umwelt erheblich. Darüber hinaus ist die Planung offenbar unbeeindruckt von dem längerfristig tragenden Gedanken an CORONA. Die Bettenzahl indiziert krankenhausartige Bettenzahlen im Falle weiterer Pandemien. Ein Trost.

Allerdings ist die Ruhe im gegenwärtigen Nutzungszustand nicht gestört, denn um das Einzugsgebiet Repente – Heimland – Luhme existiert ein friedlicher Tourismus. Die Besucherzahlen sind gut, Besucher mieten sich in Ferienwohnungen privater Vermieter ein, sie fragen nach der Hausordnung, halten sich daran und sind verantwortlich beaufsichtigt. Das funktioniert und wenn Jugendliche über die Stränge schlagen, werden sie von Erwachsenen eingefangen. Dieser nicht aggressive Tourismus basiert auf Respekt vor „Land und Leuten“. Fehlverhalten lassen sich immer auf konkrete Menschen zurückverfolgen.

Eine Infrastruktur an Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie in fußläufiger Umgebung fehlt, um naheliegende Grundbedürfnisse großer Besucher-Massenströme zu befriedigen. Die Folge fehlender Bedürfnisbefriedigung ist Tempobeschleunigung, Verkehrsaufkommen, Luftverschmutzung. Es müssen Ampeln und Verkehrszeichen gesetzt werden, Personen- und Sachschäden durch Unfälle – das Durchfahren von Dorfkernen mit zu großer Geschwindigkeit – all das ist in Brandenburg historisch vor allem von Dörfern wohlbekannt, wo man als Durchreisender das „Straßendorf“ empfindet, als gäbe es hier keinen vernünftigen Grund anzuhalten.

Historisch eignen sich Orte wie bspw. Flecken Zechlin aufgrund ihrer Vorgeschichte gut für touristische, neue Initiativen (Stichwort: Revitalisierung des leerstehenden Hotels). Die dörflich geprägten Bereiche Luhme-Heimland-Repente sind grundlegend ungeeignet dafür. Es handelt sich um ein Großbauprojekt auf der grünen Wiese. Die anrainenden Bewohner-Dorfstraßen werden durch das Vorhaben zu Verkehrshotspots. Der Investor hat berichtet, dass ihm wegen der Straßenanbindung „seiner Erholungsbucht Repente“ Investitionsmittel in Höhe von etwa 1,5 Mio. EURO nach vorliegenden Kostenvoranschlägen als dringend vorschweben. Die Anrainerstraßen werden alle neu gemacht? – Ist das sinnvoll?

Massivste Eingriffe in die ganze Gegend. Seit Jahrzehnten legt die Bauaufsicht strenge, engste Beurteilungsmaßstäbe an. „Hier ist alles Naturschutzgebiet, hier können Sie gar nichts“ – ist eine Redewendung im Kasernenhofton der Behörde in Neuruppin, wenn es um Bewohnernachfragen geht. Menschen, die sich in der Nähe des Zechliner Sees in Ferienbungalows zu Wohnzwecken aufhielten, wurden behördlich drangsaliert und gezwungen zu beweisen, dass sie dort nicht wohnen. – Aber richtig: Das wird jetzt alles anders werden. Denkt groß! Setzt jetzt eine ganz neue Großzügigkeit ein? Wird es einen Investitionsboom bei landgeplagter Bevölkerung geben? Klingt absurd.

[F] Der Investor BDRE wird das Vorhaben nur entwickeln. Betreiben wird eine (ganz andere) Betreibergesellschaft, derzeit unbekannt. Diese wird sich nicht erinnern, welche Zugeständnisse der Investor gemacht hat, um sein Ziel zu erreichen. Gesellschaftsrechtlich ist die Rechtslage einigermaßen komplex und für Rheinsberg nicht genau zu durchschauen. Es entspricht vielfacher Erfahrung, dass derartige Konstrukte für die Hinterbliebenen einer Großinvestition nicht richtig zu greifen sind. Dieser Zustand wird auf Dauer weiterbestehen, während die Investitionsphase noch von einer Art „Common Spirit“ (gemeinsamer Geist) mit Genehmigungsbehörden getrieben sein wird. Im Übrigen wird von Investoren gern eine Art Salamitaktik gefahren. Man beantragt erstmal nur, was man durchkriegt. Steht das ganze Objekt dann, werden immer weitere, im ursprünglichen Projektprospekt nicht sichtbare, weitere Abänderungen beantragt. Das ist weder wilde Spekulation, noch abwegig, das ist durchgängige Erfahrungspraxis.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keinen Bedarf, einen Bebauungsplan dringend aufzustellen, vor allem nicht wegen Zeitablauf seit 1993.  Die Beschlussvorlage ist mehr oder minder Zufall. Jetzt hat man einen Investor und dieser will (muss) verwerten. Es fehlt diesem Vorhaben grundlegend der „gesunde, eigene“ und initiatorische Geist von Rheinsberg. Als sicher darf die Vermutung gelten, der Bürgermeister von Rheinsberg wird sich später damit brüsten, Wohlstand und Arbeitsplätze in die Region gebracht zu haben.

Das Modell wird mutmaßlich aus Berlin übergestülpt. Es ist keine könnerhafte Stadtverwaltung, die mutmaßlich zur Beseitigung von DDR-Altlasten beigetragen hat und Arbeitsplätze in die Region gebracht sowie hohe gewerbesteuerliche Einnahmen. Dieses ist im Bauleitplan nicht festzuschreiben. Alles was nicht rechtsverbindlich zugesagt ist, ist ohne Bedeutung. Steuerliche Vorschriften für Konzerne lassen die Vermutung zu, dass das Steueraufkommen aus dem Betrieb überschaubar geringfügig bleiben wird. In der Anfangsphase laufen hohe Abschreibungen. Läuft der Laden schlecht, steht jahrelanger Steuerausfall realistisch zu befürchten. Eventuell verlegt der Investor steuerpflichtige Angelegenheiten auch nach Irland, zum Beispiel. Man denkt an den einsamen Kampf des Iren Thomas Reid (ARD-Dokumentation, abrufbar hier) – Die Menschheit ist so verletzlich.

In Artikel 28 wird zum Landschaftsschutzgebiet Ruppiner Wald- und Seengebiet 2014 geregelt: „Die Absätze 1 bis 3 gelten nicht für Flächen im Geltungsbereich eines Bauleitplans, für die eine bauliche odersonstige dem Schutzzweck widersprechende Nutzung dargestellt oder festgesetzt ist, sofern das für Naturschutz und Landschaftspflege zuständige Ministerium diesen Darstellungen oder Festsetzungen zugestimmt hat. Diese Flächen sind im Bauleitplan in geeignetem Maßstab kartografisch darzustellen.“ (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg Teil II – Nr. 5 vom 3. Februar 2014 – Download hier) – Klar wird hier, dass die Genehmigung erforderlichenfalls vom Land eingeholt werden wird.

[G] Grundlegend werden ortsnahe Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen. Mitarbeiter dieser Anlage müssen wie die Touristen (individuell) anreisen. Rund 150 Auto-Parkplätze sind eingeplant. 380 bis 400 Anreisegäste (ohne Mitarbeiter, diese zusätzlich) werden im Wochenturnus an- und abreisen. Das nüchterne Ergebnis: Die gesamte Ufernähe des Großen Zechliner Sees an der Anfahrtkante Repente verliert mit den dahinter liegenden Dörfern sämtliche bisherigen Eigenschaften eines großräumigen Naturschutzgebietsgedankens (angrenzend Wumm- und Kapellensee, Großer Zechliner See) mit üppigen Waldflächen und einem schützenswürdigen Tierbestand.

09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram
09.12.2020 #Großinvestor #BadeundErholungsbucht #Repente #Bebauungsplan #Rheinsberg #TTT #Tulipstagram

„We’re just two lost souls, swimming in a fish bowl, year after year. Running over the same old ground, what have we found? Same old fears, wish You were here.“ Das Foto erinnert an das Pink Floyd-Album Wish You Were Here und wurde am Großen Zechliner See in der hier beschriebenen Badebucht sommersüber aufgenommen.

Aus den Planungen anderer Orte ist das Sylt-Syndrom bekannt. Auf Sylt wurden die Ortsansässigen als Bewohner (Mieter) verdrängt durch die Hochpreisigkeit der Immobilien und den Verdrängungswettbewerb eines aggressiven Massentourismus. Arbeitskräfte lassen sich seit Jahren nicht mehr aus der Bevölkerung rekrutieren, weil die weggezogen ist. Als Ersatz dienen auf Sylt in großer Zahl „russische bzw. ukrainische Arbeitskräfte“, die nur zu diesem Zweck anreisen und wohnheimartig behelfsmäßig in der Nähe wohnen, um nach Ende der Saison in die Heimat zurückzukehren. Genau so  lässt sich zutreffend bei den polnischen Arbeitskräften im Hafendorf und in Marina Wolfbruch nachfragen, interessehalber – auch dort sind derartige Temporärkräfte, die der Gegend als Citizens (Mitbürger) bis auf eine schlechtbezahlte Arbeitskraft nichts nützen. Sie sind am Fortkommen interessiert. Die hier beschäftigen Arbeitskräften wohnen bspw. in Zechliner Hütte. Ein bisserl Weitblick, wie sich Landschaften verändern können, täte der Stadt Rheinsberg bei ihren Grundgedanken gar nicht mal so schlecht zu Gesicht.

Weiterführende Links

    1. Stadt Rheinsberg: Tagesordnung 14.12.2020 mit öffentlich zugänglichen Sitzungsunterlagen
    2. Paywall Märkische Oderzeitung: Einwohner aus Luhme wollen keine neue Hotelanlage
    3. Paywall Märkische Allgemeine Zeitung: Luhme lehnt neues Feriendorf ab

(Hinweis: Der Text ist für die Veröffentlichung nochmals stark überarbeitet worden, ohne den inhaltlichen Sinn zu verändern.)

Weitere Planungsgrundlagen

Eine Antwort auf „Rheinsberger Seen – Am Großen Zechliner See soll am 14.12.20 ein Millionenprojekt durchgewunken werden. Die Bevölkerung ist sehr besorgt. Was ist eigentlich sanfter Tourismus?“

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